Leger unterwegs: Tetsu Ikuzawa

Die Geschichte des nonchalanten Rennfahrers, der den japanischen Motorsport weltweit bekannt gemacht hat

Vom dreimaligen Formel-1-Weltmeister Sir Jackie Stewart stammt die Bemerkung, dass in den Swinging Sixties die Rennen gefährlich und der Sex sicher gewesen sei. Trotz – oder gerade wegen – des hohen Risikos war der Motorsport damals jedoch so schillernd, aufregend und schick wie kein zweiter.

Dieser Ruf strahlte natürlich auch auf die Akteure aus und brachte im Westen Stars wie Sir Jackie, den adretten Graham Hill und den legendären Caroll Shelby hervor. Dabei war es ein Mann aus dem Fernen Osten, der nicht nur als einer der bestangezogenen Fahrer in die Geschichte des Rennsports einging, sondern auch auf der Strecke zu den schnellsten und respektiertesten gehörte.

Sein Name ist Tetsu Ikuzawa. Durch seinen eleganten Stil auf dem Asphalt wie beim Abendempfang passt er hervorragend zum Schweizer Modehaus, das für seine fein gearbeiteten Driver bekannt ist. Aus diesem Grund hat er für die Fühjahr-/Sommerkollektion 2017 von Bally Pate gestanden.

Leger unterwegs: Tetsu Ikuzawa

Der Stil des Driver

Für professionelle Fahrer wie Ikuzawa gehören Stiefel und Turnschuhe zum Arbeitsoutfit. Wer sich hingegen aus Liebhaberei auf die Straßen begibt, findet in den Drivern von Bally die perfekte Kombination aus leichter Eleganz und luxuriösem Komfort. Beim Weilon Driver aus Wildleder ist beispielsweise das stilvolle Bally-Wappen als Muster auf das Schuhblatt geprägt, während eine schlichte Lederschnur und das Grip-Gummiprofil von Bally für Halt sorgen. Der Pearce Driver aus weichem Wildleder und sein Pendant aus atmungsaktivem, perforiertem Kalbsleder sind hingegen beide mit einer robusten Gummiprofilsohle ausgestattet und tragen den unverwechselbaren Bally-Streifen – eine Hommage an die Streifen an den Armen und Beinen von Ikuzawas Rennoverall.

Tetsu Ikuzawa wurde 1942 als Sohn des berühmten Malers Rou Ikuzawa geboren. Sein vom Vater geerbtes Talent ermöglichte ihm das Studium an einer Kunstakademie, wo er so viel Begabung im Umgang mit Pinsel und Leinwand zeigte, dass die Künstlerkarriere eine realistische Option war. Doch im jungen Ikuzawa erwachte noch eine andere Leidenschaft, die er im Atelier nicht ausleben konnte – er liebte den Rausch der Geschwindigkeit und des Nervenkitzels auf dem Motorrad.

Mit nur 15 Jahren nahm er am mörderischen Asama-Rennen teil, bei dem sich kurze Asphaltstrecken mit Offroad-Etappen auf Vulkanasche abwechselten. Seine Erfolge bei derartigen Events brachten ihm nach einem Jahrzehnt schließlich einen Platz im Renncockpit und einen Vertrag mit Prince Motors ein, dem Hersteller von ausgezeichneten Automobilen wie dem Skyline GT und dem Gloria.

In einem Skyline Sport GT feierte Ikuzawa auch sein Debüt beim ersten japanischen Grand Prix im Jahr 1963, wo er mit seiner unspektakulären, zweitürigen Limousine neben den windschnittigen Spezialanfertigungen seiner Gegner etwas deplatziert wirkte.

Ikuzawa fuhr ein gutes Rennen für Prince und blieb die ganze Saison hindurch konstant erfolgreich. Doch er befand sich erst in der Aufwärmrunde. Er feilte an seiner Technik, lernte das Fahrzeug kennen und entwickelte ein einzigartiges Geschick, das er bereits beim darauffolgenden Grand Prix in Suzuka auf spektakuläre Weise unter Beweis stellte.

Bei einem GT-II-Rennen, das als eines der bemerkenswertesten in die Geschichte des japanischen Motorsports eingehen sollte, saß Ikuzawa hinter dem Lenkrad eines Skyline GT, der ebenso wie die Autos seiner Teamkollegen alles andere als perfekt schien. Für den Reihensechszylinder-Motor mit drei Vergasern unter der Haube musste die Nase um 20 cm verlängert werden, was die Balance beeinträchtigte und zu einer stärkeren Abnutzung der Reifen führte.

Leger unterwegs: Tetsu Ikuzawa

Stilvoll fahren – stilvoll gewinnen

Doch Ikuzawa verstand es, dieses vermeintliche Handicap zu seinem Vorteil zu nutzen. Er glitt und driftete derart geschickt durch die Kurven, dass er sich in der besonders anspruchsvollen Haarnadelkurve des Parcours vor einen Porsche 904 Carrera GTS setzen konnte – ein Auto, gegen das ein Skyline GT eigentlich keine Chance hätte haben sollen.

Nachdem Ikuzawa mit seinem genialen und gewagten Manöver das Publikum zum Toben gebracht hatte, gewann zwar der Porsche das Rennen. Das Skyline-Team belegte jedoch souverän die Plätze zwei, drei, vier, fünf und sechs. Damit war die Leidenschaft für den japanischen Motorsport entzündet und der Funke sprang bald auf die ganze Welt über.

Auch für Ikuzawa öffneten sich nach diesem Rennen Türen in aller Welt. Er ging noch zwei Jahre lang in seinem Heimatland an den Start, um schließlich als erster Japaner in der britischen Formel 3 anzutreten.

In Europa sorgte Ikuzawa für großes Aufsehen. Der Lebensstil der Sechziger ließ ihn förmlich aufblühen: Schnell wurde der konservative blaue Anzug, mit dem er in England aus dem Flugzeug gestiegen war, gegen Schlaghosen, Hosen mit elastischen Bündchen und Rennstreifen, bunt gemusterte Hemden und Schaffellmäntel ersetzt.

Sein exotisches Äußeres und sein ausgeprägter Modesinn machten Ikuzawa zu einer allseits bekannten Stilikone. Eine Zeit lang war er auch an den Hotspots des Londoner Nachtlebens anzutreffen, wo er trotz geringer Englischkenntnisse stets eine Vielzahl weiblicher Fans in seinen Bann zog.

Leger unterwegs: Tetsu Ikuzawa

Ein Tag beim Rennen

Der Rennsport war und blieb jedoch Ikuzawas größte Leidenschaft. So gelang ihm beim 500-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring ein sehr großer Sieg in einem sehr kleinen Honda S800, bevor er von Porsche unter Vertrag genommen wurde und den vierten Grand Prix von Japan gewann.

Nach einem Abstecher in die Formel 2 entdeckte er schließlich auch die Langstrecke für sich und nahm mehrfach am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Ikuzawa baute sogar sein eigenes „Team Nippon“ auf und bekleidete später wichtige Managementpositionen, unter anderem als Direktor eines japanischen Formel-2-Teams.

Bis heute ist Ikuzawa als Botschafter des Motorsports auf Events in Japan und der ganzen Welt anzutreffen. Dabei legt er noch immer denselben schicken Stil an den Tag, für den er bereits in den Sechzigern berühmt war.

Für die unzähligen Fans des modernen Nissan GT-R, der sich aus dem alten Prince Skyline GT entwickelt hat, ist er jedoch vor allem eines: eine lebende Legende.